Call-Center

Die Weihnachten hätten so schön und ruhig beginnen können...
9:15 Uhr es ist der 24.12., ich habe Urlaub und möchte gerne nach dem Trubel der letzten Tage ausschlafen. Naja, war schon klar, daß das nie klappt, wenn ich es möchte, aber bei so etwas reißts den Boden raus!

Also von Vorne: Da klingelt das Telefon und reißt mich aus dem Schlaf. Ich lasse es absichtlich fast zehn Mal klingeln, weil ich keine übermittelte Rufnummer sehe und weil ich noch gar nicht die Augen richtig aufbekomme. Ich kenne ja auch keinen, der seine Rufnummer unterdrückt. Dann packt mich doch die Neugierde. "Hallo?" - "Sie haben vorgestern einen Anschluß der Deutschen Telekom geschaltet bekommen. [...] Sind sie zufrieden mit dem Service?" Ein lautes "Häää??" geht mir durch den Kopf. Das ist ein Call-Center, sonst hätte die sich mit "Deutsche Telekom [Technik / Umzugsservice], ich habe da eine Frage..." gemeldet. Dafür habe ich von Leuten aus dem Hause schon genug Anrufe bekommen. Außerdem ist denen wohl entgangen, daß ich just gestern und vorgestern in einem T-Punkt war, um die Angelegenheiten zu regeln, denn ein Anschluß sollte und konnte nicht vorgestern geschaltet werden. Warum, ist an dieser Stelle unwichtig, einzig, daß es die eine Hand, das Call-Center, von der anderen nicht mitgeteilt bekam. Welches mir nun meinen Erholungsschlaf am 24.12. beendet hat.
So weit so gut. Es geht noch weiter. Ich sagte der Dame am anderen Ende, daß es keine Anschlußschaltung gab und daß ich auch in Zukunft solche Anrufe nicht erhalten möchte. Da fing die an wie ein Wasserfall, daß es ein "normaler" "Service-Anruf" sei und daß sie solche Anrufe sehr wohl zur Überprüfung der Zufriedenheit der Telekom-Kunden machen dürften. Ich versuchte sie zu unterbrechen - warum diskutiere ich eigentlich mit der Frau? - "'Service-Anruf'? So nennen Sie das. Nein, ich möchte solche Anrufe nicht!" Die Dame am anderen Ende war sichtlich ungehalten und ich hörte, wie es ihr schwer fiel sich zurück zu halten. Sollte das ein "Service-Anruf" sein? Von einer Person, zu der, im Vergleich, ein Telefonautomat freundlicher ist? Ich war offenbar nicht der Erste, der nicht amüsiert war von einem solchen Anruf. Es war für mich auch nicht das erste Mal von einer Call-Center-Mitarbeiterin so angepflaumt zu werden. Ich sagte, daß, wenn sie mich Fragen fragt, dann ist das für mich eine Umfrage an der ich auch zukünftig nicht interessiert bin und solche Anrufe nicht mehr erhalten möchte. Es folgte kein Wort der Entschuldigung für die Störung oder ähnliches. Nein, es folgte in einem bestimmenden und aufdringlichen Ton eine freche Belehrung, eine Rechtfertigung, daß sie das machen darf, denn es ist ein "Service-Anruf". Es ist mir doch Scheißegal, wie sie das nennt! Sie darf mich aus dem Schlaf reißen und stören an einem 24.12. um 9 Uhr fünfzehn. Ich darf und muß erwarten wieder so gestört zu werden. Ich muß das hinnehmen. "Nein, ich möchte keine solchen Anrufe mehr!" - "Ach, es hat ja eh kein Sinn mit Ihnen! Dann wünsche ich Ihnen schöne Weihnachten" - Es klingt nach sofortigem Auflegen und ich, weil ich mich stets bemühe Freundlich zu bleiben, beeile ich mich nachzuschieben: "Danke. Ihnen auch Frohe [klick Gegenseite hat aufgelegt] Weihnachten."

Bei so einer Frechheit stehe ich senkrecht im Bett und bin auf 180. Es macht mich wütend, mit welcher Ignoranz und Frechheit Firmen mit ihren Kunden umgehen. Ist es da ein Wunder, daß die Kunden irgendwann keine Lust mehr haben und auf den sogenannten Service mit Freude verzichten? Nur leider leiden darunter die, die wirklichen Service bieten: Die kleinen Händler um die Ecke. Schade!

In anderen Ländern wird in solchen Fällen eine Entschuldigung abgelassen, eine Gutschrift für die Umstände wird in Aussicht gestellt und hört quasi am Telefon eine Verbeugung bis zum Fußboden. "Der Wille das Kunden ist uns Befehl." Auch wenn es immer sehr einstudiert klingt, es ist netter als diese frechen deutschen Zurechtweisungen, man, ich als Kunde, sei im Unrecht! Ist denen eigentlich bewußt, daß ich frei entscheiden kann das nächste Mal jemand anderen zu beauftragen oder einen anderen besseren, echten Dienstleister zu beauftragen?

Nein, hier in Deutschland läuft das anders. Hier ist der Kunde der Arsch, der zu zahlen hat und dem Unternehmen, daß ihn beliefert, egal welcher Art und Wahre, treu zu dienen hat. Die Dienstleistungsbranche lebt davon, daß der Kunde zum Dienen herangezogen wird. Die Bänker gegeben das Geld aus, das ihnen nicht gehört und kassieren auch noch "Service-Gebühren". Die Haustechniker lassen einen warten und stehen dann auch noch eine Stunde vor dem abgesprochenen Termin vor der Tür und beschweren sich, daß man nicht zu Hause ist oder kommen zu Spät, ohne vorher kurz anzurufen. (Dabei haben sie alle ein Mobiltelefon bei sich. Wozu? Um neue Aufträge anzunehmen, zu denen sie ja wirklich keine Zeit haben und man Wochen warten muß?) Der Paketdienst kann mir nur sagen, daß er zwischen 8 und 18 Uhr vorbeikommt. (Der fährt jeden Tag durch die Stadt und kennt seine mehr oder weniger festen Routen und kann mir nicht sagen, ob er in einem Drei-Stunden-Fenster da ist oder nicht? Diese verkaufen aber Zulieferungen, die "vor 8 Uhr" oder "bis 10 Uhr am nächsten Tag" stattfinden sollen?)
Service gibt es in Deutschland primär als Anhängsel an den Firmennamen. In Deutschland sollte das Wort in den Fremdwörter-Duden aufgenommen werden.

Abschließend nur kurz der Hinweis, daß ich mit der Deutschen Telekom seit vielen Jahren zufrieden, manchmal sogar sehr zufrieden bin. Die Techniker, wenn man einmal das Glück hat, mit jemandem aus dem Backoffice zu sprechen, sind meist sehr kompetent und oft sind sogar die Frauen die versierteren gewesen. Und spricht man direkt mit einem Telekom-Mitarbeiter, merkt man sofort die höhere Kompetenz.

Die beauftragten externen Call-Center müssen noch extrem stark an ihrem Benehmen arbeiten, denn sie können den Ruf eines ganzen Unternehmens aufs Spiel setzen!